März 03, 2017

Jökulsárlón & Fjallsárlón– die Gletscherlagunen

Ein ganz besonderer Zauber empfing uns, als wir uns weit nach Mitternacht unserem heutigen Etappenziel näherten. Unser Sohn schlief vom Tagesausflug erschöpft auf der Rückbank und wir wussten noch gar nicht genau, was uns eigentlich erwartete. Wir stellten das Auto ab und weckten ihn ganz leise.  Während der Himmel voller Sterne war und die Julisonne immer noch etwas Licht schickte, hörte wir es leise platschen und traten vorsichtig näher.

Eine Gruppe von jungen Robben tummelte sich zwischen zahllosen umher schwimmenden Eisschollen, tauchte immer wieder ab und kam schnaufend zur Wasseroberfläche zurück. Wie sie so miteinander spielten zeigte uns, wie wunderschön freilebende Tiere sind, die vollkommen ungezwungen und ungestört miteinander umgehen können. (Ihre Köpfe sieht man in der Mitte des Fotos :)
Sofort war unser Kleiner auch wieder hellwach und traute seinen Augen kaum. Sie so nah zu sehen war schon etwas ganz Besonderes. Wir beschlossen uns etwas ans Ufer zu setzen und diese magische Situation auf uns wirken zu lassen und dann direkt nach Sonnenaufgang am Morgen wieder zu kommen. Man sollte wenn möglich tatsächlich die ganz frühen Morgenstunden oder den sehr späten Abend nutzen, um ganz ungestört zu sein.
Tagsüber tummeln sich hier viele Leute und nehmen so etwas der magischen Wirkung. Auch wenn mehr als genügend Platz für alle ist, so bleiben doch diese Momente, in denen man ungestört ist, uns sehr in Erinnerung.
Der Jökulsárlón ist mit 248 m der tiefste See Islands. Die auf ihm schwimmenden schillernden Eisberge haben zum Teil eine Höhe von 15 m . Sie glitzern wunderschön in der Sonne und man kann gut die verschiedenen Farben erkennen. Die auf dem Foto sichtbaren schwarzen Verfärbungen kommen von der Lavaasche, die blauen sind Reflektionen des Eises sowie mineralische Einschlüsse.
Man sollte für diesen Ort wirklich ein paar Stunden Rast einplanen, gerne im Sommer mit einem tollen Picknick verbunden. Schon nach mehreren Minuten kann man sehen, wie sich diese skurrile Landschaft aufgrund der Wasserbewegung ständig verändert, einzelne Schollen laut krachen zerbrechen, abtauchen und auch neue dazu kommen.
Tagsüber findet man am Rande des Sees beim Parkplatz auch eine Hütte mit hölzernen Sitzbänken, wo man einen heißen Kaffee, Tee oder andere Getränke und Snacks sowie jede Menge Souvenirs erwerben kann.
Viele Leute machen auch eine der angebotenen Zodiactouren mit. Dabei wird man mit guides ca. 1-1,5 Stunden lang über den See geschippert und fährt zu der Stelle, wo der große Gletscher kalbt, die Eisschollen also ins Wasser gleiten.
Aufgrund der Schönheit dieser Lagune und unserer Entdeckungslust wollten wir aber nicht mit viele Menschen im Bötchen sitzen, sondern machten uns lieber zu Fuß auf dem Wanderweg, der direkt am Wasser entlang führt. Man kann sich so ganz unabhängig von den anderen genügend Zeit lassen, die Robben suchen oder kleine Steinchen ins Wasser werfen ;)
und sich  alles in Ruhe anschauen, genau unser Ding.
Als wir wieder aufbrechen wollten, verfinsterte sich plötzlich der Himmel und innerhalb von wenigen Minuten prasselte auf uns ein kühler Sommerregen – ganz typisch für die Natur hier. 
Ein zusätzliches Schauspiel, von dem ich bereits vorher viel gelesen hatte, bot sich uns im Laufe des
Vormittags: Plötzlich drehte sich die Strömung! Während das Süßwasser des Gletschersees normalerweise über einen schmalen Kanal ins Meer abfließt und dabei auch einzelne Schollen mit hinaus aufs Meer treibt, wechselt oft die Strömung und salziges Wasser fließt in Richtung See hinein! So wird auch dessen Zufrieren verhindert.
In der Nähe befinden sich zwei weitere Gletscherseen, der viel kleinere und abgelegenere Fjallsárlón (auf dem Foto), sowie der Breiðárlón.
Der kurze Fluss, der von einer stabilen Brücke der Ringstraße überspannt wird, heißt "Jökulsá á Breiðamerkursandi". An dieser Stelle hält auch die Fähre, was gerade beim Verladen der zahlreichen Islandpferde ein echtes Schauspiel bietet. Seit den 70 er Jahren hat sich die Fläche des Sees fast verdoppelt, was auf die Gletscherschmelze zurück zu führen ist.
Und aufgrund dieser atemberaubenden Kulisse wurden hier auch viele Filme wie James Bond oder Batman Begins gedreht...
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