Mai 26, 2019

Cenoten – schwimmen in den heiligen Höhlen der Maya - „Sac actun“ Herzcenote bei Tulum/Mexiko (weiße Höhle)

(Werbung da Ortsnennung und Markierung) Habt ihr euch auch immer gefragt, wie es ist, im Inneren einer Höhle zu schwimmen? Seit unserem Besuch der „Grjótagjá" Grotte auf Island, die durch die berühmte Liebesszene in „Game of Throns“ so berühmt wurde, und auch früher von den Bewohnern als wärmende Badequelle genutzt wurde, habe ich mich mehr mit diesem Thema beschäftigt. Auf Island habe ich nur einen Blick hinein geworfen, wir sind aber nichts schwimmen gegangen. Das lag sicherlich auch an den etwas kühleren Außentemperaturen. In Mexiko sollte das Baden darin aber zum absoluten Höhepunkt unserer Yucatan-Reise werden. Dort ist das Thema „Cenote“ erst seit ein paar Jahren für die Touristen aktuell. Vorher waren sie ein absoluter Geheimtipp, vor allem unter der Bevölkerung.
Aber was sind Cenoten eigentlich? Das Kalkgestein in Karstgebieten löst sich durch die Witterung und durch das Grundwasser nach und nach auf und es bilden sich unzählige Höhlen und unterirdische Wasserläufe. Brechen dann später durch Korrosion die Decken dieser Höhlen ein, so entstehen die Tagöffnungen, die wir als Eingänge sehen können. Diese Höhle hat zum Beispiel eine schöne, herzförmige Öffnung.
Die Cenoten in Yucatáns sind Teil des größten, zusammenhängenden Unterwasser Höhlensystems  der Welt und werden auch weiterhin erforscht. Auch uns hat unser guide bei unserem Besuch Unterwasseröffnungen gezeigt, durch die er in die daneben liegenden Höhlen tauchen kann.
Für die Maya haben diese Cenoten allerdings bis heute eine viel stärkere religiöse Bedeutung: In ihrer hoch entwickelten Kultur wurden sie als Eingänge zur Unterwelt („xibalba“ = Ort der Angst) betrachtet und häufig als religiöse Opferstätten genutzt. Auch heute finden sich in besonders tiefen Cenoten Knochenreste und Opfergaben. In den Karsthöhlen lebte ihrer Glaubenswelt nach der Regengott Chac. Bis heute sind alleine im mexikanischen Bundesstaat "Quintana Roo", weit mehr als 1000 Cenoten bekannt und ihre Gesamtzahl wird auf weit mehr als 10000 geschätzt, zum Teil im benachbarten Land Belize liegend. Im Durchschnitt hat eine Cenote eine Tiefe von etwa 15 Metern, vereinzelt auch von über 100 Metern. Die tieferen werden für ausgedehnte Tauchgänge genutzt, was aber nur professionellen Höhlentauchern vorbehalten ist.
Heute gibt es unzählige gut erschlossene, die man sich dann aber auch leider mit vielen anderen Touristen teilen muss. Ein gutes Beispiel dafür ist die wohl bekannteste, die „grand Cenote“. Zuerst schauten wir uns die „Dos Ojos Cenote“ auch „two eyes cenote“ an, die gerade bei Tauchern sehr beliebt ist. Für uns kam sie aber nicht infrage, da wir mit Kenoa nicht tauchen gehe konnten und auch nicht wollten. Aber nur unweit davon ein paar Kilometer weiter liegt schon die nächste, besser gesagt gleich 2 nebeneinander, die für uns mit Kind einfach ideal war.
Mit etwas Glück findet man auch heute noch Höhlen, die zwar erschlossen sind, die man aber praktisch für sich alleine hat und dann in aller Ruhe bestaunen kann. Unser Abenteuer begann eigentlich schon beim Hin fahren. Auf dem Rückweg von Tulum wollten wir  die ca. 10 km entfernte „Sac actun cenote" besuchen, fanden aber nicht wirklich eine Einfahrt. Also hieß es für uns umdrehen und auf der Bundesstraße 307 im Schritttempo auf dem Abstellstreifen fahren , um sie nicht erneut zu verpassen. Im zweiten Versuch sahen wir dann das wirklich kleine Schild und hielten direkt am Straßenrand an. Im Schatten saß ein etwas streng wirkender Mexikaner, der uns dann aber wirklich sehr freundlich auf all unsere Fragen antwortete.  Er ist der Verantwortliche des Gebietes, auf dem sich die Cenote befindet und meinte, dass wir herzlich willkommen sein und er uns einen erfahrenen guide zur Seite stellen würde. Wir sollten uns einfach zurück ins Auto setzen und ihm folgen. So richtig wußten wir nicht, was uns erwartet, aber wir haben einfach einmal vertraut und sind ihm in den Dschungel gefolgt.
Die Vegetation wurde immer trockener und das saftige Grün wich nach und einem wüstenartigen Grauton. Nach ca. 10 Minuten Buckelpiste mit jeder Menge Schlaglöcher sollten wir das Auto abstellen und ihm zu Fuß folgen.
Er sprach fließend englisch und war wirklich offen und freundlich. Später sollten wir noch überrascht sein, über welch umfassendes Fachwissen er verfügte. Mitnehmen sollten wir nur ein Handtuch, unsere persönlichen Sachen sowie Badesachen (man kann sich auch bei der Cenote direkt umziehen).
Eigentlich sieht man von außen wirklich fast nichts, außer einem Loch. Auch im Internet haben wir uns vorher Fotos angeschaut, die nicht so wirklich viel Aufschluss boten, aber wir dachten wir schauen sie uns einfach einmal in Natur an.
Und wir sollten nicht enttäuscht werden, ganz im Gegenteil, es war eines der schönsten und mystischsten Abenteuer, die wir so ganz unter uns zu dritt je erleben durften. An der cenote wartete ein Ureinwohner, ein Maya auf uns, der uns freundlich zu nickte. Unser Guide Marico erklärte, dass wir unsere persönlichen Sachen ablegen sollten.
Bevor er uns jedoch in die Cenote führt, müssten wir uns dem schamanischen Ritual unterziehen und säubern lassen, damit wir die heilige Stätte der Mayas betreten duften. Also setzten wir uns ganz leise nebeneinander auf die Steine und schauten gebannt zu.
Er zündete Kräuter an und die Halbhöhle, in der er stand, hüllte sich in duftenden Rauch, der vom Wind auch zu uns geweht wurde. Der Schamane blickte uns tief in die Augen, bevor er diese schloss und seine Gesänge begann.
Dann wurden wir mit einer Art Weihwasser beträufelt und in diesem Moment fühlten wir wirklich die mystische Aura. Wir wissen natürlich nicht, was genau er gesungen hat, aber es fühlte sich einfach toll an.
Danach gingen wir mit dem guide zu den Abseilgurten und haben uns erst einmal in Ruhe den Einstieg angeschaut. Von außen wirkt er wie eine Art Brunnen. Also entschieden sich Kenoa und ich mich fürs die Treppen, die haben ja schließlich auch ihren Reiz. Nein Quatsch, ich habe mich nur einfach nicht getraut, noch dazu da wir ja nicht wußten, was uns im Inneren erwartet.
Aber mein Mann musste dran glauben und nach anfänglicher Skepsis fand er es im Nachhinein wirklich ganz toll und vor allem erfrischend, weil er am Ende ins Wasser geplumst ist.
Wir sind die Treppen gegangen und sobald sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, sieht man erst einmal wie schön es wirklich ist. Die Höhle ist viel viel größer als von außen vermutet. Der Untergrund ist zum Teil sandig, aber auch felsig, daher empfehle ich euch, zumindest für die Kinder Badeschuhe mit zu nehmen. Wir sind dem Guide gefolgt, der uns erklärt hat, wo man laufen kann und wo man besser schwimmen sollte. Das Innere der Cenote ist eine riesige Tropfsteinhöhle mit Stalagmiten und Stalaktiten.
Dazwischen kann man in der Decke überall große versteinerte Fossilien sehen. Hier hat man die einzigartige Möglichkeit, Erdkunde vor Ort zu erleben und auch zu berühren. Dann kamen wir in den hinteren Teil und der guide zeigte uns die Fledermäuse, die überall an den Decken hängen. Kenoa war erst ein wenig ängstlich, aber als plötzlich und unerwartet hunderte von ihnen gleichzeitig losflatterten und den Licht entgegen nach oben flogen staunte er auch nur noch und fand es ganz toll. Wenn man sich ganz ruhig verhält, kann man ihre klackernden Geräusche hören und sie beim ein und Ausflug beobachten. Anschließend führte er uns in eine zweite Höhle, die wir bis dahin gar nicht bemerkt hatten und auch hier verbrachten wir mehr als eine Stunde. Wir hatten sie absolut für uns allein, da die Höhlen noch als Geheimtipp gelten und der „Chef“ auf Ökotourismus setzt, also lieber wenige Besucher individuell führt.
Das Wasser ist nicht kalt, sondern wunderbar erfrischend. Auch nach über einer Stunde im Wasser haben wir überhaupt nicht gefroren. Das Wasser ist absolut glasklar und leuchtet türkis, der Untergund ist weißer Sand bzw. sehr helles Kalkgestein.
Einige der Baumwurzeln haben sich tatsächlich ihren Weg durch das poröse Gestein gesucht und hängen jetzt bis tief ins Wasser.
Beim rauskommen wurden wir von einer bleiernden Müdigkeit erfasst und da es wohl allen Besuchern so geht, hänge bunte Hängematten zwischen den Bäumen, in denen man sich in aller Ruhe ausruhen kann.
Der Guide meinte, dieser Zustand sei dem mineralischen Gehalt es Höhlenwassers geschuldet, welches wie ein Thermalbad wirkt. Auf alle Fälle waren wir danach unglaublich entspannt und gelöst und es bleibt uns noch lange in Erinnerung.
Als wir zurück zum Auto gingen raschelte es so richtig laut neben uns und wir konnten erst gar nicht erkennen, was es war.
Aber dann sahen wir ein echt riesiges Exemplar von Leguan, der ganz schnell ins Innere eines ausgehöhlten Baumes geflohen ist und sich doch einfach perfekt angepasst hatte.
Diese Cenote können wir auf alle Fälle auch für den Besuch mit Kindern empfehlen. Sie sind hier in allerbesten Händen, die guides super lieb und zuvorkommend und vor allem lassen sie einem so viel Zeit, wie man möchte. Den Kindern stehen bei Bedarf Schwimmwesten zur Verfügung. Man kann sich auch kostenlos Neoprenanzüge geben lassen.
Durch den hohen mineralischen Gehalt haben sie die Möglichkeit „Seestern“ zu spielen, also zu floaten bzw. sich oben auf dem Wasser mit ausgestreckten Armen treiben zu lassen. Auch wenn Kenoa im Vorhinein skeptisch und sogar etwas ängstlich war, so war das nach wenigen Minuten wie verschwunden und er hat den Ausflug in vollen Zügen genossen. Wir wünschen Euch ein schönes Wochenende, bis ganz bald ...
Adresse: Carretera Federal 307 (Cancun-Chetumal) pasando, Xel-Ha, un kilometro hacia, 77760 Tulum, Q.R., Mexiko

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