August 10, 2016

Elbing, Frisches Haff und der Oberlandkanal - Wenn Schiffe wandern gehen -Polen

Zu unserer heutigen Zeit sind die Menschen, auch durch die politische Lage bedingt, immer mehr auf der Suche nach alternativen Urlaubszielen. Ziele in Europa, die auch mit dem eigenen Auto zu erreichen sind, Kind - und sogar hundgerecht das ist es, was sich viele zur Zeit wünschen. Wie wäre es einmal mit der polnischen Ostseeküste? Berufsbedingt verbringen wir hier seit nunmehr 6 Jahren unseren Sommer und hatten so die Möglichkeit die Gegend ausführlichst zu erkunden und zu bereisen.
Unser heutiger Ausflug führte uns zuerst von Sopot nach Elbing (Elblag), dann weiter zum Oberlandkanal. Das Gebiet zwischen den sanften Niederrungen der Weichsel bis hin zum „Frischen Haff“ ist berühmt für seine saftigen Wiesen, eine wunderbare Vogelwelt, kleine Dörfchen und dem Gefühl, das die Zeit stehen geblieben ist.

Kaum ein Mast, auf dem sich nicht ein Storchennest befindet, das kann ja nur Glück bedeuten. Jetzt, Anfang August, beugen sich die Apfelbäume unter ihrer schweren Last und die Holunderbeeren reifen zu einem dunklen Violett. Und wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt, kann man sich an ganz kleinen Dingen erfreuen.
Elbing gehörte früher zu Preußen und hat nun als kreisfreie Stadt der Masuren nahezu 125.000 Einwohner. Während die Stadt im April 1945 in einer grausamen 19 tägigen Schlacht nahezu dem Erdboden gleich gemacht wurden, so erstrahlt sie heute in ihrem ganz eigenen Glanz. Meister der Architektur restaurieren die schönen alten Fassaden und Gebäude und lassen so den alten Charme wieder aufleben. Das historische Wahrzeichen der Stadt ist die gotische „Nikolaikirche“, erbaut 1237, die mit ihrem 96 m hohen Turm weit über der Altstadt heraus ragt. In den wunderschönen kleinen Häuschen daneben befinden sich Lädchen, die zum Bummeln einladen und Cafés, ideal für die Pause zwischen durch. Ein sehr gutes Restaurant ist das „Pod Aniolami“ (klick hier) , was so viel wie „Unter Engeln“ bedeutet (klick hier) bei dem man unbedingt deftige polnische Spezialitäten probieren sollte. Zu empfehlen sind dabei natürlich die berühmten "Pierogi" - gefüllte Teigtaschen, aber auch „Devolai“ eine Art Gordon Bleu, nur mit schmelzender Butter gefüllt, die alles unglaublich zart und saftig macht.
Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich hier auch auf die Spuren von „Truso“ machen, einem sagenumwogenen Handelsplatz aus dem 9. Jahrhundert der Winkinger und Pruzen. Elblag war früher neben Danzig eine unglaublich reiche und wegen der ausgezeichneten Lage an der Bernsteinstraße sowie Nähe zu Skandinavien ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz bester Waren. So kam es auch, dass die Stadt als Hansastadt eine tragende Rolle inne hatte. Im letzten erhaltenen Teil der ehemaligen Burg des „Deutschen Ordens“ findet man ein aufwändiges und sehr sehenswertes Museum „ Muzeum Elblag“. Wer es etwas moderner uns extravaganter mag, kann einen Blick in die Exponate der „Galerie EL“ machen. Man sieht den riesigen Einkaufswagen schon von weitem und es überrascht um so mehr, dass die Ausstellung in einer wunderschönen Kirche, der „Marienkirche“ gelegen ist. Im Sommer gibt es zudem oft tolle Konzerte.
Nur ein paar Schritte weiter befindet sich das „Markttor“ („Brama Targowa“), das letzte von einst 7 Stadttoren, in dem jetzt die Touristeninformation zu finden ist. 
Am Fuße der Nikolaikirche befinden sich auch die Anleger der Ausflugsschiffe: Von dort aus starten sie sowohl zum „Frischen Haff“, welches ich euch in einem gesonderten Post vorstellen werde, als auch nach „Fromburg“ („Frauenburg).

Ein ganz besonderes Highlight ist aber die Fahrt auf dem 82 km langen Stück des „Oberlandkanals“(„Kanal Elblaski“) von Elbing nach Ostroda, was auch unser nächstes Ziel sein sollte. 

Noch letztes Jahr hatte ich mir überlegt, unbedingt einmal diese Attraktion mit machen zu wollen. Auch Kenoa wollte unbedingt sehen, wie ein Schiff über Land auf Schienen gezogen wird. Der Kanal wurde zwischen 1844 und 1866 als technisches Meisterwerk errichtet.
Dabei ist die Besonderheit, dass nahezu 100 m an Höhenunterschied zu überbrücken sind. Um den Höhenunterschied auszugleichen wurden 5 Stationen, sogenannte „Rollberge“ errichtet, bei denen die Schiffe durch sogenannte Schienenwagen über Seilbahnen transportiert werden. Die dazu nötige Energie erzeugen eigene Wasserräder.
Es gibt die Möglichkeit entweder gleich selbst mit dem Schiff mit zu fahren (website zum Buchen und Informationen klick hier) Start ist in Elblag bis nach Ostroda und abends wird man mit dem Bus zum Ausgangsort zurück gefahren. Das ganze dauert ca. 11 Stunden und kostet etwa 30 €, es sind aber auch Fahrten nur über Teilstrecken möglich. Diese Fahrt ist gerade in den Sommermonaten sehr gut besucht und zum Teil auch ausgebucht ist, daher sollte man sich möglichst vorher anmelden. Aber gerade heute erzählte mir vor Ort ein Tourist, dass er in Danzig keine Tickets mehr zu kaufen bekam und einfach auf gut Glück hin gefahren ist, gefragt hat und spontan mit fahren konnte. Also am besten erkundigen.
Wenn auch ihr, wie auch wir, kein polnisch könnt, ist das im allgemeinen kein Problem. Gerade in diesem Teil hier können sehr viele aufgrund der Geschichte noch gut deutsch, bei jüngeren Menschen hilft aber auch englisch weiter und sonst versucht man sich halt mit Händen und Füßen zu verständigen, was auch ganz gut funktioniert. Wir sind einfach nach "Katy" gefahren, das ist auch gut ausgeschildert. Dort befindet sich ein kleiner Parkplatz. Vor Ort war ein Mann, den wir einfach ansprachen und mit einem Zeigen auf die Uhr fragten, wann wohl das nächste Schiff käme. Er war über unser Interesse so erfreut, dass er im Anschluss uns und dabei vor allem Kenoa gleich noch den inneren Maschinenraum des Antriebswasserrades zeigte und zum Staunen unseres Sohnes auch die Schleusen öffnete, wodurch dieses sich mit einer unglaublichen Kraft anfing zu drehen. Anschließend deutete er an, dass gleich das Schiff kommen müsse und wir gingen nach draußen. Über Funk verständigen sich der Schiffskapitän mit dem Hebewerk und wir waren hautnah auf einen Meter Abstand zu den geneigten Ebenen dabei, als es tatsächlich los ging. Unter fröhlichem Winken und Zurufen der meist deutschen Touristen schauten wir zu und freuten uns, es endlich einmal gesehen zu haben.






Nach diesem Erlebnis machten wir noch vor Ort ein kleines Picknick und uns anschließend auf die Heimfahrt. Hier ticken die Uhren gemächlicher und wenn man Muse hat und sich Zeit nimmt, hat man die Möglichkeit, einen wundervollen Tag zu verbringen. Und hier ist noch ein Filmchen von heute, liebe Grüße, Eure Kessy

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Kommentare

  1. Liebe Kessy, vielen dank für die schönen Fotos von Elbing. Ich war vor zwei Jahren dort und konnte sogar das Haus wieder entdecken, in dem mein Großonkel, heute 93 Jahre alt, aufgewachsen ist.LG Gabriele

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  2. Liebe Gabriele,

    ich freue mich so sehr über eine Worte und hatte gleich Gänsehaut! Hier steckt so viel Geschichte und wir entdecken wirklich jeden Tag neue Winkel. Schön dass auch du dich auf die Spurensuche begeben hast, das bleibt für immer unvergesslich! Ich werde hier noch viel von Polen zeigen und hoffe auch dich damit glücklich machen, ganz liebe Grüße, Kessy

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